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Buchcover Ich werde Millionär von Benjamin Ries

Benjamin Ries · Buch

Ich werde Millionär

Warum ich zwanzig Jahre dem Erfolg hinterherlief – und dabei vergaß herauszufinden, was ich wirklich will.

Eine Geschichte über Ehrgeiz und Scheitern, Geld und Status, Familie und Anerkennung – und über die vielleicht wichtigste Frage von allen: Wenn dir niemand dabei zuschauen würde, wie würdest du dein Leben leben?

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Format
Paperback · 13,5 × 21,5 cm
Seiten
202
Erscheinungsjahr
2026
Verlag
BoD · Books on Demand GmbH
ISBN
978-3-6967-6126-4
Lieferland
Deutschland

Prolog · Leseprobe

ICH BIN IMMER NOCH KEIN MILLIONÄR

Ich bin immer noch kein Millionär.

Mit vierzehn hätte mich dieser Satz ziemlich enttäuscht. Vielleicht sogar erschreckt. Denn damals war ich mir sicher. Nicht: Ich möchte irgendwann viel Geld verdienen. Nicht: Es wäre schön, einmal reich zu sein. Sondern: Ich werde Millionär. Punkt.

Mehr als zwanzig Jahre später sitze ich hier und muss feststellen: Hat bisher nicht geklappt.

Was nicht bedeutet, dass mein Leben schlecht gelaufen wäre. Ganz im Gegenteil. Heute verdiene ich rund 140.000 Euro im Jahr. Ich führe etwa acht Mitarbeiter in einem großen Unternehmen – ein Team, das ich von null aufgebaut habe und das heute zu den erfolgreichsten in Europa gehört. Ich habe eine Frau, die seit Jahren hinter mir steht. Zwei Kinder. Wir reisen, gehen gerne essen, und ich kann mir Dinge leisten, die für mich früher Erfolg bedeutet hätten.

Wenn mein vierzehnjähriges Ich mein heutiges Leben sehen könnte, wäre er wahrscheinlich ziemlich beeindruckt. Zumindest zunächst. Dann würde er vermutlich fragen: „Und? Bist du Millionär?“

Nein. Noch nicht. Und ich weiß ziemlich genau, dass ihm diese Antwort nicht gefallen würde. Mir übrigens auch nicht.

Vielleicht denkst du jetzt: Rund 140.000 Euro im Jahr. Familie. Karriere. Und sein Problem ist, dass er noch keine Million auf dem Konto hat? Berechtigter Einwand.

Ich habe mir dieselbe Frage gestellt. Sehr oft sogar. Warum ist mir diese Million eigentlich so wichtig? Warum begleitet mich diese Zahl seit meiner Jugend? Und warum beginnt mein Kopf nach fast jedem Erfolg so schnell wieder mit derselben Frage: Was kommt jetzt?

Die Antwort hat wahrscheinlich weniger mit Geld zu tun als mit dem Gefühl, das ich mir von Geld versprochen habe.

Ich erinnere mich an ein Fußballspiel aus meiner Kindheit. Den Gegner habe ich vergessen. Das Ergebnis auch. Ich weiß nicht einmal mehr genau, wie alt ich war. Aber eine Sache weiß ich noch: Ich habe vier Tore geschossen. Vier Tore. Als Junge fühlt sich das ungefähr so an, als hätte man persönlich das Champions-League-Finale entschieden. Und trotzdem denke ich heute bei diesem Spiel zuerst an jemanden, der nicht da war. Meine Mutter.

Sie hat mich geliebt. Sie hat für mich gesorgt. Mir hat materiell an wenig gefehlt. Aber Gefühle offen zu zeigen war nie ihre Stärke.

Bis heute fällt mir keine konkrete Situation ein, in der sie vor mir stand und sagte: „Ich bin stolz auf dich.“ Vielleicht hat sie es gedacht. Vielleicht viel häufiger, als ich weiß. Aber als Kind zählt nicht nur, was Eltern fühlen. Es zählt auch, was bei dir ankommt. Bei mir kam dieser Satz offenbar nicht an.

Vielleicht habe ich deshalb irgendwann einfach weiter Tore geschossen. Nur auf anderen Spielfeldern. Klassensprecher. Schulsprecher. Verkäufer. Filialleiter. Unternehmer. Trainer. Berater. Geschäftsführer. Vertriebsleiter. Mehr Verantwortung. Mehr Umsatz. Mehr Gehalt. Immer noch eine Stufe. Immer noch ein Tor. Und vielleicht hat ein Teil von mir danach jedes Mal kurz zur Seitenlinie geschaut: Hast du es gesehen?

Das Problem mit Leistung ist: Sie funktioniert. Du erreichst etwas. Menschen gratulieren dir. Du bekommst Anerkennung. Vielleicht mehr Geld, einen besseren Titel, ein schöneres Auto. Für einen Moment fühlt es sich gut an. Sehr gut sogar. Dann vergeht der Moment. Und irgendwo taucht die nächste Stufe auf.

Da geht noch mehr. Dieser Satz hat mich weit gebracht. Und fast genauso oft in Schwierigkeiten.

Mit zwanzig eröffnete ich meinen ersten eigenen Laden. Ich hatte kaum Ersparnisse und nahm rund 20.000 Euro Kredit auf – zu rund 17 Prozent Zinsen.

Heute weiß ich: Wenn eine Bank dir mit zwanzig rund 20.000 Euro zu rund 17 Prozent gibt, ist das vielleicht nicht unbedingt ein Kompliment an deinen Businessplan. Damals sah ich nur meinen eigenen Laden. Meinen ersten echten Weg zur Million.

Wenige Wochen nach der Eröffnung bekam ich eine Provisionsabrechnung über rund 12.000 Euro. Für einen Monat. Mit zwanzig. Ich dachte: Ich habe es geschafft.

Keine zwei Jahre später war der Laden geschlossen. Rund 50.000 Euro Schulden. Von der schönen Dachgeschosswohnung mit Domblick ging es in ein ungefähr zwölf Quadratmeter großes Einzimmerapartment über einem Supermarkt. Kein Porsche. Keine Million. Zeitweise nicht einmal Strom. Also trug ich nachts Zeitungen aus. Im Winter. Für ein paar hundert Euro im Monat.

Ich könnte dir jetzt erzählen, dass dieser Absturz alles verändert hat. Dass ich plötzlich vernünftig wurde, meine wahre Leidenschaft fand und von da an nur noch kluge Entscheidungen traf. Wäre eine schöne Geschichte. Ist aber nicht passiert.

Ich habe einfach weitergemacht. Das kann ich ziemlich gut.

Ich fand wieder einen Job. Zahlte meine Schulden zurück. Machte mich erneut selbstständig. Arbeitete für große Marken, trainierte Verkäufer, beriet Kunden und schrieb fünfstellige Rechnungen.

Dann kam Corona und nahm mir innerhalb kürzester Zeit einen großen Teil dessen, was ich über sieben Jahre aufgebaut hatte. Also fing ich wieder an.

Neue Ideen. Neue Produkte. Neue Möglichkeiten. Bartöl. Elektro-Skateboards. Trading. Start-up. Geschäftsführung. Insolvenz. Corporate. Vertriebsleitung.

Ich bin ziemlich gut im Neuanfangen geworden. Vielleicht sogar zu gut. Denn irgendwann bemerkte ich ein Muster – nicht nur in meinen Niederlagen, sondern auch in meinen Erfolgen.

Wenn noch nichts existiert, werde ich wach. Eine Idee. Ein Problem. Ein weißes Blatt. Perfekt. Ich kann mich stundenlang darin verlieren, daraus etwas zu machen. Bis es funktioniert. Und dann passiert etwas Seltsames: Es funktioniert. Und mein Kopf beginnt nach dem nächsten Problem zu suchen.

Jahrelang dachte ich, mir fehle einfach Disziplin. Vielleicht stimmt das teilweise. Aber irgendwann stellte ich mir eine andere Frage: Was, wenn ich gar nicht ständig die falschen Geschäftsideen finde? Was, wenn ich nur nach dem falschen Kriterium entscheide?

Mein ganzes Berufsleben habe ich gefragt: Kann man damit Geld verdienen? Kann das groß werden? Und ganz tief darunter: Kann mich das zum Millionär machen?

Eine Frage habe ich dagegen erstaunlich selten gestellt: Will ich das überhaupt jahrelang machen, wenn es tatsächlich funktioniert?

Das ist eine verdammt unangenehme Frage, wenn man Mitte dreißig ist und feststellen muss, dass man sich damit ungefähr zwanzig Jahre Zeit gelassen hat.

Ich will an dieser Stelle etwas klarstellen: Dieses Buch ist keine Geschichte darüber, wie ich erkannt habe, dass Geld unwichtig ist. Ich möchte die Million immer noch. Sehr sogar. Ich will auch immer noch einen Porsche. Ich mag schöne Kleidung, gute Restaurants, Reisen, Status und Anerkennung. Wenn ich irgendwann mit einem Porsche bei alten Schulfreunden vorfahre und jemand denkt: Krass, hätte ich damals nicht gedacht – wird ein Teil von mir das vermutlich genießen. Ich kenne mich inzwischen gut genug, um mir nichts anderes einzureden.

Aber heute interessiert mich eine andere Frage mehr: Warum brauche ich das?

Denn was passiert, wenn morgen eine Million Euro auf meinem Konto liegt? Kaufe ich mir vielleicht den Porsche? Sehr wahrscheinlich. Reise ich? Natürlich. Investiere ich einen Teil? Hoffentlich habe ich wenigstens das inzwischen gelernt.

Aber was mache ich am Montagmorgen? Womit verbringe ich meinen Tag? Welches Problem möchte ich lösen? Was möchte ich bauen?

Wobei vergesse ich die Zeit?

Mit vierzehn hatte ich auf die Frage meiner Mutter – „Was willst du später einmal machen?“ – sofort eine Antwort: „Ich werde Millionär.“ Heute weiß ich: Millionär ist keine Tätigkeit. Es ist ein finanzieller Zustand.

Vielleicht war genau das mein Fehler. Ich wusste sehr früh, was ich einmal haben wollte. Aber ich habe viel zu wenig darüber nachgedacht, wie ich mein Leben eigentlich verbringen möchte.

Vielleicht hast du deine eigene Million. Vielleicht ist es tatsächlich Geld. Vielleicht die Beförderung, das Eigenheim, der perfekte Körper, der Doktortitel, das eigene Unternehmen oder 100.000 Follower. Vielleicht ist es die Anerkennung eines Menschen, von dem du dir seit Jahren wünschst, dass er endlich sieht, was du leistest.

Vielleicht kennst du diesen Satz: Wenn ich erst X erreicht habe, dann … Dann bin ich zufrieden. Dann habe ich es geschafft. Dann kann ich stolz auf mich sein. Dann bin ich genug.

Ich kenne diesen Satz ziemlich gut. Ich habe mehr als zwanzig Jahre versucht, sein Ende zu erreichen.

Ich kenne das Ende meiner Geschichte noch nicht. Ich schreibe dieses Buch nicht aus einer Villa. Der Porsche steht nicht in meiner Garage. Und die Million ist noch nicht auf meinem Konto. Vielleicht macht genau das diese Geschichte ehrlicher.

Ich kann dir nicht erklären, wie du reich wirst. Ich kann dir auch nicht versprechen, dass du nur deine Leidenschaft finden musst und das Geld dann von alleine kommt. So einfach ist das Leben nicht.

Was ich dir erzählen kann, ist, was passiert, wenn man sehr lange einem Ziel hinterherläuft, ohne wirklich zu verstehen, welches Bedürfnis man diesem Ziel aufgeladen hat.

Mit vierzehn wollte ich wissen: Wie werde ich Millionär? Mehr als zwanzig Jahre später interessiert mich eine andere Frage. Eine, die ich vielleicht von Anfang an hätte stellen sollen: Warum will ich es eigentlich werden?

Dieses Buch ist meine Suche nach der Antwort.

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